Trip von Vancouver nach Calgary

Mit dem Wohnmobil

von Vancouver nach Calgary

Lange schon wollte ich Kanada bereisen und die beste Art, dies zu tun, ist mit einem Wohnmobil.
Mit seiner Ausdehnung und Landmasse ist Kanada das zweitgrößte Land der Erde. Jedoch ist es nicht sehr dicht besiedelt. In den nördlichen Gebieten leben nur sehr wenige Menschen und das ist auch verständlich.
Ich wollte etwas vom Land sehen und vor allem aber auch, wie die Menschen dort Leben. Darum entschied ich mich für eine Tour durch die Rocky Mountains im Süden von Kanada.

Los ging es in Vancouver. Nach etwa 10-stündigem Flug war das Ziel erreicht und ich konnte mir einen Eindruck der Stadt verschaffen. Vancouver ist wirklich eine sehr moderne und vor Allem sehr saubere Stadt. Dies war zumindest mein Eindruck, denn die Kürze meines Aufenthalts ermöglichte es mir nicht, jeden Teil der Stadt zu besuchen. Das Wetter spielte mit und auch das Hotel war top. Ich nutzte die Zeit, um einfach ein wenig durch die Wohngegenden zu laufen und zu sehen, wie die Menschen dort leben. Häuser dieser Art kennt man ja sonst nur aus Filmen oder Serien.

Am zweiten Tag startete dann die eigentliche Tour. Ich nahm das Wohnmobil entgegen und fuhr einfach los. Natürlich hatte ich vorher eine ungefähre Route überlegt, um die Strecke in den verbleibenden Tagen auch zu schaffen. Es war ein ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit. Einfach losfahren und die Wohnung immer dabei haben.
Die Wohnmobile sind wesentlich größer als hier und dadurch hat man wirklich das Gefühl, man fährt in seinem Haus umher. Eine kurze Strecke Flachland lag noch vor mir bis ich dann in die Rocky Mountains fuhr.

Hier wurde es dann einsamer. Kaum Fahrzeuge auf den Straßen und eine so tolle Landschaft, wie ich sie noch nie gesehen habe. Ich sprach mit vielen Kanadiern auf meiner Reise und auch sie bestätigten mir, dass man sich die Landschaft nicht sattsehen könnte. Und je weiter ich fuhr, desto mehr verstand ich die Wahrheit dieser Aussage.

Ich habe zuvor noch nie eine Reise mit einem Wohnmobil unternommen und kannte mich absolut nicht aus. Zum Glück fand ich auf dem ersten Campground in Hope, BC gleich einen netten Nachbarn und seine Familie, die mich etwas einweisen konnten. Gegen Ende der Reise war ich ein wahrer Profi im An- und Abschließen des Wohnmobils an die Versorgung und natürlich auch im Dumpen. Wer den Film „Eine schöne Bescherung“ gesehen hat, weiß, wovon ich rede.
Nach der ersten Nacht in den Bergen fuhr ich weiter nach Camloops, BC. Hier war es etwas steppiger. Das hätte ich nicht erwartet. Es erinnerte eher an Colorado als an einen Ort inmitten der Rocky Mountains.

Im Anschluss ging es tiefer in die Rocky Mountains in Richtung Revelstoke, BC. Dort waren auch die ersten bärensicheren Mülltonnen zu finden. Leider kam kein Bär vorbei, das kann ich schon vorweg nehmen. Laut Reiseführer sollte es in dieser Region bereits Bären regnen und man war, vor Allem nach Einbruch der Dunkelheit, ausserhalb des Wohnmobils sehr vorsichtig. Hier konnte ich auch wieder ein Feuer machen, welches allerdings durch den allabendlich einsetzenden Regen wieder gelöscht wurde. Es war die nasseste Station der Reise aber das tat der Landschaft keinen Abbruch. Die ganze Nacht regnete es durch. Ich nutzte die Mansarde des Wohnmobils als Abfluss und ließ das Regenwasser durch den Grill laufen, um ihn passiv zu reinigen. Es hat auch ganz gut funktioniert und das Schrubben blieb mir für diesen Abend erspart.
Weiter ging es dann nach Golden, BC.

Golden ist ein verschlafener Ort am Kicking Horse River. Hier hatte ich das Glück, einen Campingplatz direkt an diesem Flus zu finden und mein Wohnmobil auch direkt am Wasser parken zu können. Hier wurde das Wasser langsam türkis, was ein ungewohnter Anblick für mich war. Nur ein Mal hatte ich bisweilen die Wasserfärbung gesehen: auf einem Gletscher in Loen, Norwegen. Auch in Golden regnete es am Abend und ein Gewitter zog die Berghänge hinauf. Ein kleines Highlight gab es jedoch auch hier. Abgesehen vom Kicking Horse River kam tierischer Besuch vorbei. Es wimmelte vor Arktischer Ziesel auf dem Campground. Die Tiere waren überhaupt nicht scheu und kamen sehr nah heran, sogar bis auf die Einstiegstreppe des Wohnmobils.
Am nächsten morgen fuhr ich dann weiter nach Banff in der Nähe des Lake Louise.

Banff ist ein bekannter Ort für Wintersport. Im Sommer ist er weniger frequentiert aber bietet den größten Campground, den ich auf meiner Reise besuchte. Zunächst plante ich, mehrere Tage hier zu verbringen. Ich entschied mich jedoch, lieber schon weiter in Richtung Calgary zu fahren. Und das war kein Fehler. Kurz vor Calgary fand ich den schönsten Ort und den schönsten Campground der Reise. In der Region um Banff wurde vielerorts vor Wölfen und Bären gewarnt. Leider blieb dies wieder aus und die einzigen Tiere waren hirschähnlich und, wie schon zuvor, der Arktische Ziesel. Auf dem Campground gab es kein WLAN. Das ist tatsächlich eher die Seltenheit als die Regel. So nutzte ich einen Starbucks, um mal meine Email abzurufen und mit meinen Kollegen in Kontakt zu treten. Währenddessen zog ein kurzer Schneesturm über die Stadt hinweg.
Am nächsten Morgen fuhr ich dann zurück zum Lake Louise und im Anschluss nach Canmore. Diesmal nutzte ich jedoch nicht den Highway sondern einen Parkway, um die Chancen auf Bärensichtungen zu erhöhen. Ich verstehe die vielen Warnungen nicht. Selbst bei aktiver Suche gab es keinen Erfolg obwohl das Gebiet regelrecht als bärenverseucht beschrieben wurde. Interessanter Fakt: Die Kannadier sorgen sich um das Wohl ihrer Tiere. Über den Highway sind formschöne, bepflanzte Brücken errichtet, welche den Tieren das Überqueren der Straße erleichtern sollen. Wirklich toll.

Weiter ging es dann also nach Canmore. jetzt befand ich mich nicht mehr in Britisch Columbia sondern in Alberta. Canmore bot einen tollen Campground mit einem Blick auf die Berge. Dieser Blick ist mir im Gedächtnis geblieben. Der Campground lag von Bergen umrungen in einem Tal. Es war der teuerste Platz der Reise aber auch der mit dem tollsten Blick. Nach Canmore folgte Cochrane, die am schnellsten wachsende Gemeinde Kanadas. Die Stadt erinnerte an eine Westernstadt und die Vegetation war hier wieder eher steppenähnlich und nicht bewaldet. Auf diesem Platz blieb ich die restlichen 3 Tage und erkundete von hier aus auch Calgary und die Umgebung. Auch hier fuhr ich in ein typisches Wohngebiet am Stadtrand. Auf Satellitenbildern sah man die typischen Straßenverläufe. Sehr wohnlich und sauber.

Das war meine Reise in Kurzform. Es ist gar nicht genug Platz, um alle Eindrücke und Erlebnisse zu schildern. Ich habe eine Videoreihe über die Fahrt gemacht, welche ich auf meinem Kanal bei Youtube veröffentlicht habe. Unbedingt anschauen, es lohnt sich.
Ich kann diesen Ausflug in die Freiheit nur empfehlen. Sie sortiert die Gedanken und lässt neue Motivation fassen.
Bis zum nächsten Mal!